Der Unterschied zwischen Gewinn und Cashflow ist in der Theorie bekannt. In der Praxis wird er beim Lesen von Geschaeftsberichten erstaunlich oft vergessen - besonders dann, wenn man unter Zeitdruck analysiert oder sich von einer positiven Pressemitteilung hat leiten lassen.
Was bei einem Maschinenbauer schief lief
Florian Kessbach investierte in ein mittelstaendisches Unternehmen aus dem Maschinenbau. Der Jahresabschluss zeigte einen Nettogewinn von 12 Millionen Euro. Die Cashflow-Rechnung, die er nur kurz ueberflog, zeigte dagegen einen negativen operativen Cashflow. Der Grund: Das Unternehmen hatte Forderungen gegenueber Kunden stark ausgeweitet - Umsaetze wurden als Gewinn verbucht, das Geld war aber noch nicht geflossen.
Warum introvertierte Anleger das haeufiger uebersehen
Wer allein arbeitet und keine zweite Meinung einholt, neigt dazu, die erste positive Zahl als Bestaetigung zu werten. Der Bestaetigungsfehler wirkt staerker, wenn niemand widerspricht. Florian hatte sich nach dem Gewinn bereits sicher gefuehlt und die Cashflow-Seite nur noch formal durchgesehen.
Ein positiver Gewinn bei negativem operativem Cashflow ist kein Widerspruch - er ist ein Warnsignal.
Die Konsequenz: Cashflow-Rechnung immer vor der GuV lesen. Und bei stark steigenden Forderungen im Umlaufvermoegen genau nachfragen, warum Kunden langsamer zahlen als vorher.